Zwei neue Gebäude mit bestandesähnlichem Fussabdruck ergänzen die Kantonsschule. Wie an einer Perlenkette angereiht entwickeln sich die Schulhäuser mit der Höhe und finden ihren Abschluss im städtischen Auftritt mit Aula und Turnhallen an der neue Tramhaltestelle der Limmattalbahn im Norden.
Die 1984 bis 1986 von Bolliger Hönger Dubach erbaute Kantonsschule Limmattal liegt an der Nahtstelle zwischen einer grossmassstäblichen, urbanen Struktur im Norden und einem kleinteiligen, stark durchgrünten Wohnquartier im Süden — die Anlage bildet dort eine grüne Insel. Der Bau der Limmattalbahn und ein prognostiziertes Schülerwachstum von rund fünfzig Prozent, von damals 750 auf künftig etwa 1'100 Schülerinnen und Schüler, gaben Anlass, die gesamte Anlage neu zu denken und ihr einen offeneren, öffentlicheren Charakter zu verleihen.
Die bestehende Schule reiht sich aus vier funktionalen Trakten (A–D); die beiden neuen Bauten — ein viergeschossiger Klassentrakt für die Naturwissenschaften (E) sowie ein Turnhallen- und Aulatrakt (F) — führen diese Perlenkette fort. Die neuen Volumen sind dem Bestand in der Form verwandt, unterscheiden sich jedoch in der Höhe: Die Staffelung zur Strasse hin bildet volumetrisch den Abschluss der Anlage und markiert, an der neuen Tramhaltestelle der Limmattalbahn, deren städtebauliche Adresse. Zugleich entsteht durch die neue Setzung ein Pausenhof, der zur eigentlichen Adresse der Gesamtanlage wird.
Wie die Bestandsbauten sind auch die Erweiterungen strukturell konzipiert, ihre Logik ist unmittelbar in den Fassaden abgebildet. Grundlage dafür ist das von PENZISBETTINI. entwickelte Verständnis der «Typostruktur»: die integrale Zusammenführung von Raum und Tragwerk als
Werkzeug nachhaltigen Bauens. Sie reduziert die Tragmasse und damit den Material- und CO₂-Aufwand, verlängert durch die Trennung von Tragwerk und nichttragenden Wänden die Lebensdauer des Gebäudes und minimiert dessen Bauvolumen durch die Kombination von Tragrippen und Installationsebenen sowie eine gezielte Vorspannung.
Im Hallentrakt F ist die neue, rund 500-plätzige Aula um neunzig Grad gedreht zwischen den beiden Doppelturnhallen positioniert. Das mächtige Zwischengeschoss übernimmt die Funktion eines durchlaufenden Ober- und Unterzugs und reduziert so die statischen Höhen des gesamten Traktes.
Die Stapelung von Sporthallen und Aula trägt zur strukturellen Effizienz bei und hält den Fussabdruck des Gebäudes kompakt: Die Längswand der Aula spannt von Fassade zu Fassade und entlastet die Hallendecke, wodurch sich die Gebäudehöhe optimieren lässt. Die vom Rohbau entkoppelte Holzkonstruktion der Aula begünstigt die Akustik und erlaubt den zeitgleichen Betrieb mit den Turnhallen; profilierte Betonwände sorgen im Musikzimmer für eine nutzungsgerechte Raumakustik.
Raumstruktur und Identität der Klassentrakte werden ebenfalls durch das Tragwerk definiert: Die vorfabrizierte Balken-Stützen-Konstruktion und Ortbeton-Stirnwände als Horizontalaussteifung werden von nichttragenden Wänden ergänzt. Die Haustechnik wird zwischen den Rippen geführt, wobei die von Trägern befreite Mitte der Sortierung und Hauptverteilung dient.
Die Fassaden der Neubauten bestehen aus gefalteten Betonfaserelementen, deren Haptik bewusst an die Wellfaserzementfassade der Bestandstrakte anknüpft und so die architektonische Kontinuität der Gesamtanlage über vier Jahrzehnte hinweg sichert.
Der Erweiterungsneubau ist im Standard Minergie-P-ECO realisiert. Die kompakten Volumen optimieren die Gebäudehüllzahl; ein angemessener Glasanteil, ausreichend Speichermasse im Innenraum sowie ein aussenliegender Sonnenschutz sorgen für ein angenehmes Innenraumklima, während die kontrollierte Lüftung die Wärmeverluste reduziert. Rund die Hälfte des verbauten Betons ist Recyclingbeton, was die graue Energie in vertretbarem Mass hält. Auf beiden Erweiterungstrakten ist zudem eine Photovoltaikanlage installiert, ausgelegt auf die maximal wirtschaftliche Fläche. Für diesen konsequenten Einsatz von Recyclingbeton wurde das Projekt 2025 mit dem Betonpreis in der Kategorie Hochbau ausgezeichnet.
Die Umgebungsgestaltung von S2L Landschaftsarchitektur BSLA SIA reagiert auf die Lage der Schule zwischen grossmassstäblicher Struktur und kleinteiligem Wohnquartier mit einer Gestaltungssprache, die funktional-urbane und kleinteilig-gärtnerische Qualitäten verbindet. Im Zentrum steht die Schaffung vielseitig nutzbarer, öffentlich zugänglicher Freiräume: Im Norden brechen drei geometrisch gesetzte Baumgruppen den Massstab des Turnhallentrakts, bilden eigene Aufenthaltsorte für Schülerinnen, Schüler und Quartierbevölkerung und entwickeln sich zu wichtigen öffentlichen Freiräumen des Quartiers.
Der bestehende Bau von Bolliger Hönger Dubach (1984–1986) wird nach dem Umzug der naturwissenschaftlichen Fachschaften in die Erweiterungsneubauten für den künftigen Lehr- und Lernbetrieb situativ umgebaut sowie brandschutzertüchtigt. Die bisher geschlossenen Lagerräume in der Mitte der Trakte werden zu Gruppenräumen umgebaut und zugänglich gemacht, die geschlossene Studiobühne im Untergeschoss wird als Lernzentrum geöffnet, und die Mensa erhält eine neue Orientierung zum Aussenraum. Die Materialisierung orientiert sich stark am Bestand:
gleiche Detaillierung und Materialien in Qualität und Farbe sichern eine nachhaltige Werterhaltung der Schule.