«FRONTSTAGE»
Offener Projektwettbewerb, 2021-2022
Der Neubau deutet die Theatertypologie um: Der Saal liegt zwischen zwei überhohen Bühnentürmen, die je nach Anlass zu Foyer, Spielort oder Stadtloggia werden. Ein «Frontstage»-Theater ohne Vorne und Hinten – ein offenes Haus für die Stadtmitte.
Am Theaterplatz, zwischen Reuss, Bahnhofstrasse und Jesuitenkirche, setzt der Neubau einen neuen städtischen Block, dessen vertraute Dimensionen die Morphologie der Neustadt weiterschreiben. Ein Versatz zur Bahnhofstrasse staffelt das Volumen von der Seebrücke zur Jesuitenkirche hin und lässt den Körper präsent auftreten, ohne als Solitär zu wirken oder mit der Baumallee des Boulevards zu konkurrieren. Auf die Kirche nimmt der Bau bewusst Rücksicht: Die beiden Bühnentürme erreichen die Höhe ihres Hauptgesimses, ohne mit deren Türmen und Tympanon zu wetteifern, und eine leichte Asymmetrie nach Osten schont Belichtung und plastische Wirkung der Ostfassade.
Die Grundfrage nach einem offenen, gegenwärtigen Theaterhaus beantwortet der Entwurf mit einer Umdeutung der klassischen Typologie. Statt Foyer, Saal und Bühne aneinanderzureihen, liegt der Saal zwischen zwei überhohen Räumen – der West- und der Ostbühne. Diese Türme sind mehrfach lesbar: Spielfläche, Foyer, Saalerweiterung oder Stadtloggia, je nach Oper, Schauspiel, Tanz oder Anlass. Über grosszügige Öffnungen verbinden sie sich ebenerdig mit dem Stadtraum – ein Theater, das kein Vorne und Hinten kennt. Das transparente Erdgeschoss macht das Geschehen sichtbar; sechs übergrosse Tore modulieren die Zugänge, deren Lage mit dem Spielplan wechselt, während Orientierung und Erschliessung dieselben bleiben. Über dem Saal liegt die öffentlich zugängliche Theaterterrasse mit Restaurant und Studio; von Fluss und Strasse wahrnehmbar, lädt sie zum Verweilen. Die Säle sind als kubische «Black Box» konzipiert und lassen sich über Hebetore verbinden, sodass sich Konfigurationen und Aufführungsmöglichkeiten vervielfachen.
Ein Holz-Beton-Skelettbau trägt das Haus. X-förmige, vorfabrizierte Holzträger werden vor Ort mit einer Holz-Beton-Verbunddecke gefügt; das Tragwerk steift das Gebäude ohne durchgehende Kerne aus und lässt sich dank hohem Vorfertigungsgrad wirtschaftlich montieren. Säle und Türme sind als Holzkonstruktionen ergänzt, nichttragende Wände als akustisch wirksame Holzpaneele, die Gangfronten als modulare Glaselemente mit Einblick ins Hausgeschehen. Die Installationen laufen aufgeräumt sichtbar – im Innern entsteht ein studioähnlicher Charakter. Aussen bildet eine vorhangartige Fassade aus Zementfaserplatten den mineralischen Bezug zur Umgebung und signalisiert unterschwellig die Theaternutzung.
Kompaktheit, ein hoher Anteil erneuerbarer Baustoffe, Recyclingbeton und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach führen den Neubau zum Standard Minergie-P.