Die orthogonale und zur Umgebung hin offene Setzung verbindet räumlich die Anlage mit dem Naturraum der Lorze und bildet ein campusartiges, primarschulgerechtes Raumgefüge. Die Gebäudestrukturen orientieren sich zur Mitte, die, bebaut mit dem zentralen Pavillon, zum Ort der Orientierung sowie Begegnung wird.
Der Ersatzneubau der Schule Wiesental ersetzt eine in die Jahre gekommene Schulanlage und schafft die räumlichen Voraussetzungen für eine zeitgemässe Primarschule. Die bestehende Schule Wiesental der Zuger Architekten Hans Peter Ammann und Peter Baumann wurde in den Jahren 1967–1970 unter enormem Kosten- und Zeitdruck in zwei Etappen als 2½-Züger erstellt. Heute bestehen grosse bauliche Mängel, und es stehen grössere Unterhaltsarbeiten an. Hinzu kamen steigende Schülerzahlen im Schulkreis Nord sowie die Herausforderung, den laufenden Schulbetrieb während der gesamten Bauzeit ohne zusätzliche Provisorien aufrechtzuerhalten – Faktoren, die den Ersatzneubau gegenüber einer Sanierung als die sinnvollere Lösung auswiesen.
Vier rechtwinklig ausgerichtete, niedrige Baukörper bilden ein campusartiges Ensemble, das sich sensibel in die Umgebung zwischen dem Naturraum der Lorze und der vorstädtischen Bebauung einfügt. Anstelle eines städtischen Platzes entsteht eine «gebaute Mitte»: ein mittiger Pavillon (Haus Nord), um den sich die drei Schulhäuser (Haus West, Ost und Süd) gruppieren. Dieser Pavillon – mit Aula, Bibliothek und umlaufendem Vordach sowie einem Betonsockel als Sitzmöglichkeit – ist Ankunftsort, Begegnungszone und Herzstück der Anlage zugleich. Dank der Absenkung der Bodenplatte um einen halben Meter unter Arealniveau wird die Möblierung der Aula und der Bibliothek weitgehend unsichtbar; zusammen mit den grosszügigen Verglasungen lebt der Pavillon von einem hohen Grad an Transparenz und erlaubt einen freien Blick auf die gesamte Schulanlage.
Die Anlage schafft einen offenen Übergang zum Dorfzentrum und stiftet Identität, ohne auf das Vokabular eines konventionellen Schulhofes zurückzugreifen. Alle Zugänge zum Schulareal führen zum mittigen Pavillon – eine Geste, die Orientierung und Gemeinschaft gleichermassen organisiert.
Jeder Baukörper ist als Holzstruktur aus Stützen und Trägern konzipiert, die sich an der Fassade klar abbildet. Das regelmässige Raster von 3,80 m bildet ein Gestell, das mittels nichttragender Wände flexibel unterteilt werden kann. Erdberührte Bauteile werden in Recyclingbeton ausgeführt, der als durchgehender Sockel ca. 40 cm aus dem Boden ragt und die Holzkonstruktion trägt. Die Deckenkonstruktion der Obergeschosse besteht aus effizienten Hohlkastenelementen, die zu einer guten Akustik beitragen und eine vereinfachte Installationsführung erlauben. Als fertiger Bodenbelag wird ein geschliffener Fliessestrich verwendet – robust, selbstnivellierend und wartungsarm.
Das Holztragwerk wirkt raumbildend und dient als konstruktives Leitmotiv, welches unterschiedliche Massstäbe des Lernens ermöglicht. Die zwei obersten Schulgeschosse bilden einen 50m Fachwerkträger, der ein Überspannen der Dreifachturnhalle im Holzbau ermöglicht. Die konsequente Trennung tragender von nichttragender Struktur ermöglicht eine flexible Raumaufteilung und erleichtert das spätere Ersetzen von Komponenten unterschiedlicher Lebensdauer – neue Gebäude als Renovationen von morgen. Die modulare Holzbauweise trägt zudem dazu bei, allfällige Erweiterungen mit reduzierter Bauzeit und minimalem Eingriff zu realisieren: An der Südfassade des Hauses West ist bereits der Raum für eine Erweiterung um einen weiteren Zug vorgesehen.
Die Cluster-Organisation der Unterrichtsräume – je vier Klassenzimmer mit Gruppenräumen und mittig platzierter Lerninsel – fördert klassenübergreifendes Lernen und schafft identifizierbare Einheiten innerhalb der grossen Anlage. Oberlichter bringen natürliches Licht in die Lerninseln, ansteigende Raumhöhen sorgen für eine optimale Belichtung der Klassenzimmer, und transparente Verbindungstüren der Gruppenräume ermöglichen individuelle Gruppenunterteilungen sowie einen klassenübergreifenden Bezug innerhalb eines Clusters.
Die Anlage ist räumlich, strukturell, konstruktiv und technisch auf eine niedrige Umweltbelastung und eine lange Lebensdauer optimiert und erreicht den Minergie-A-ECO-Standard – ein Vorbildprojekt der Energiestadt Baar. Eine grosse Photovoltaikanlage auf den mehrgeschossigen Gebäuden deckt einen Grossteil des Eigenenergiebedarfs ab; Erdwärmepumpen übernehmen die nachhaltige Wärmeerzeugung. Eine Verbundlüftung mit Quelllüftungsauslässen und dezentralen, bodennahen Raumlüftern gewährleistet optimale Luftqualität bei reduziertem Installationsaufwand. Die Ost-West-Ausrichtung sowie aussenliegender Sonnenschutz verhindern sommerliche Überhitzung und sorgen für ausgewogene Lichtverhältnisse im Innenraum. Die Kompaktheit der Baukörper verspricht ein effizientes Verhältnis zwischen Geschoss- und Hüllfläche sowie einen tiefen Heizenergiebedarf.
Die Realisierung in zwei Etappen – zunächst Haus Ost mit der Dreifachturnhalle und 24 Schulzimmern, dann Häuser West, Nord und Süd – ermöglichte es, den Schulbetrieb durchgehend aufrechtzuerhalten. In der ersten Etappe wurden die bestehenden Trakte D und E zurückgebaut; auf der freigelegten Fläche entstand Haus Ost. Erst nach dessen Bezug wurden die verbleibenden Trakte A, B und C abgebrochen und die übrigen Neubauten erstellt. Baulärmreduzierende Massnahmen wie Trennschnitte oder gepresste Spundwände minimierten die Immissionen auf das Schulareal. Diese planerische Disziplin war eine der zentralen Herausforderungen des Projekts und prägte massgeblich die Abfolge aller Eingriffe.