«LIBELLE»
Selektiver Projektwettbewerb 2023, 1. Rang
Vor- und Bauprojekt 2023–2025
Giebeldächer reihen sich in die Topografie und schliessen die öffentlichen Bauten Oberlunkhofens ab. Eine markante Holzkonstruktion – die «Libelle» – prägt Halle und Ausdruck der neuen Mehrzweckhalle Breite.
Neben dem historischen Dorfkern mit Kirche bildet die Primarschule Oberlunkhofen ein öffentliches Zentrum mit Lehr-, Sport- und Kulturräumen entlang des Giebelhüttewegs. Die neue Mehrzweckhalle Breite schliesst diese Reihung öffentlicher Gebäude ab und schafft an der Kreuzung zum Rosenweg einen neuen gemeinschaftlichen Bezugspunkt. Die Zugänge zu Turnhalle, Mehrzweck- und Jugendraum gruppieren sich hier um einen platzartigen Bereich auf zwei Ebenen.
Die Anlage vernetzt sich mit ihrer Umgebung: Im Norden verbindet sich der Platz mit dem Schulareal, im Süden führt ein gedeckter Bereich entlang der Turnhalle zum öffentlichen Parkplatz. Die Konzentration des Gebäudes im Norden minimiert den Fussabdruck und hält das südliche Areal für zukünftige Entwicklungen frei.
Die quer zur Topografie gereihten Giebeldächer nehmen die Morphologie der Umgebung auf und verleihen dem Neubau einen vertrauten Charakter. Das strassenbegleitende, zweigeschossige Volumen mit Pultdach ergänzt die Anlage und vermittelt zu den gegenüberliegenden Bauten.
Der Neubau folgt einem modularen Prinzip: Eine Einfachhalle mit Garderoben, Galerie und Geräteraum bildet das wiederholbare Grundmodul. Je Modul verbindet ein Treppenhaus die Garderoben direkt mit der Halle und dient zugleich als Fluchtweg sowie als sekundärer Zugang von aussen.
Im Kopfbau befinden sich die Räume der Jugendarbeit, ein Mehrzweckraum und ein gemeinsam nutzbarer Kiosk, der künftig zu einer Gastroküche ausgebaut werden kann. Auf der Turnhallenebene liegen Geräte-, Catering- und Vereinslagerräume, die synergetisch mit der Zivilschutzanlage organisiert sind. Das Foyer an der markanten Treppe verbindet die beiden Nutzungsebenen und schafft Begegnungsräume. Die klare Grundrissorganisation ermöglicht einen unabhängigen und flexiblen Betrieb für Vereine, Jugend und Sport.
Die Turnhallenmodule werden durch eine prägnante Holzkonstruktion geprägt: Zwei Längsfachwerke und acht Querbalken bilden die «Libelle». Je zwei dieser Systeme formen ein Hallenvolumen, das bis zu dreimal identisch wiederholt werden kann. Eine Hohlkastendecke mit integrierter Akustikbekleidung überspannt die vier Meter zwischen den Querbinderachsen.
Innerhalb der statischen Konstruktionshöhe sind Hubfaltwand und feste Turngeräte untergebracht, ohne die für den Sportbetrieb erforderliche lichte Höhe von acht Metern zu beeinträchtigen. Die kurzen Spannweiten erlauben teilweise den Einsatz von Schnittholz und reduzieren graue Energie, CO₂-Emissionen und Klebstoffanteile. Verschraubte Verbindungen ermöglichen zudem Anpassungen, Demontage und Wiederverwendung.
Kopfbau sowie Garderoben- und Geräteraumtrakt folgen als L-förmiges Volumen einer eigenständigen statischen Logik. Die sichtbare Rippendecke verleiht den Räumen einen spezifischen Charakter; Pfetten, Sekundärrippen und der Diagonalträger zeichnen die räumliche Struktur ab. Je nach Anforderung werden zwischen den Rippen Akustikpaneele, Dreischichtplatten oder furnierte Gipsplatten
eingesetzt.
Die sichtbaren Holzkonstruktionen, der Verzicht auf zusätzliche Verkleidungen und die bewusst geführten Installationen vermitteln den Pragmatismus eines Zweckbaus. Präzise, einfache Fügungen schaffen dabei einen robusten Ausdruck und unterstützen eine wirtschaftliche Realisation.